Donnerstag, 23.8.2018
Anreise
Abfahrt ab Hbf. um 6:30. Um 6:38 steigen am Südkreuz Kerstin, Heide und Jutta zu. Um 11 Uhr kommt der ICE in München an, um 11:30 fahren wir weiter mit dem IC nach Brenner. Hier warten wir 20 Minuten auf den Anschlusszug nach Sterzing/Vipiteno. Zeit genug, um den Betrieb an der Grenze zwischen Österreich und Italien zu bestaunen. Eigentlich machen die Grenzsoldaten einen furchteinflößenden Eindruck. Aber die ernsten Gesichter, die aus den derben Militär-Uniformen ragen, krönt ein tarnfarbenes Tirolerhütchen, in der Kombination ein lustiges Accessoir.
In Vipiteno haben wir nur ein paar Minuten, bevor der Bus uns auf dem letzten Reiseabschnitt nach Maiern bringt. In Maiern angekommen, suchen wir erstmal eine Weile nach unserer Gastgeberin und finden sie schließlich bei der Heuernte auf einer etwas entfernt liegenden Wiese. Von ihr bekommen wir den Tipp, in der Knappenstube zu Abend zu essen, was sich als sehr lohnend herausstellt. Das Restaurant liegt am Ende des Tals, inmitten der ehemaligen Bergbauanlagen. Man kann die Gebäude und auch die Stollen auf geführten Touren besuchen. Wir beschränken uns allerdings auf das Essen. Der Erzabbau hat seinerzeit in der Region eine große Rolle gespielt und den Fuggern in Sterzing zu großem Reichtum verholfen.
Freitag, 24.8.2018
Von Maiern zur Schneeberghütte
Nach einem ausgedehnten Frühstück im Jörgelehof starten wir unsere Wandertour auf dem Romedius-Pilgerweg. Der heutige Abschnitt ist kurz – nur 12 km liegen vor uns. Aber auf diesen werden wir 1300 Höhenmeter überwinden, bevor wir unser heutiges Ziel, die Schneeberghütte, erreichen. Bis zur Stadlalm führt eine sehr schmale, geteerte Straße am Fluss aufwärts. Das Gurgeln des Wassers wird uns bis zum Aufstieg über den Pass ständig begleiten. Später, nachdem der Asphalt aufgehört hat, gesellen sich Kuhglocken zum Rauschen des Flusses. Auf der Moarerbergalm kehren wir im Poschhaus ein. Hier treffen wir auf ein paar Mountainbiker – von denen gibt es erstaunlich viele hier – und zwei Wanderer aus Brandenburg, die denselben Weg laufen wie wir, aber in die entgegengesetzte Richtung. Der Himmel ist verhangen, vor uns sind die Wipfel der Berge von dicken Wolken bedeckt. Für heute abend oder morgen ist über 1800 m Schneefall angekündigt. Nach der Pause auf der Moarerbergalm wird der Weg schmaler und der Aufstieg steiler. Immer mal wieder regnet es ein wenig zwischendurch und ein einziger, blitzloser Donner erinnert uns daran, dass “Wetter” hier oben in den Bergen kein Unterhaltungsprogramm auf der Wetter-App ist.
Der Weg ist gut befestigt und lückenlos markiert. Auf Geröll und Felsen windet er sich immer steiler in die Höhe. Man muss beim gehen ständig auf den Untergrund schauen um nicht danebenzutreten. Aber trotzdem kann ich den Blick nicht von den Bergen wenden. Sie scheinen uns anzuschauen wie lebendige Wesen. Kaum ist man 50 m weitergegangen, sind die Berge, die da eben noch waren, weg und andere Berge schauen auf uns herab mit dem gleichgültigen Blick, der sagt: “Wir haben euch nicht gebeten, hier hochzuklettern. Tut, was ihr nicht lassen könnt.” Endlich erreichen wir die Schneebergscharte auf 2700 m Höhe. Von hier aus können wir die Schneeberghütte auf der anderen Seite schon sehen. Oben machen wir eine Weile Pause und genießen die Aussicht über die beiden Täler – immer noch in dichten Wolken.
Die Schneeberghütte, eine kleine Kirche und ein paar weitere Nebengebäude, zum Teil in Ruinen, sind die Reste eines ganzen Bergbaudorfes, was hier oben bis in die 60er Jahre des 20. Jh. aktiv war. Jetzt ist die Schneeberghütte eine komfortable Schutzhütte. Auch hier oben gitb es Stollen, in die man hineingehen kann und ein Museum.
Es regnet wie aus Eimern. Wir sitzen abends noch lange in der Knappenstube zusammen mit den anderen Gästen. Trotz der Erschöpfung und des eintönigen Rauschens des Regens schlafen wir schlecht, die dünne Luft auf 2400 m lässt den Berliner Flachlandkreislauf nicht so recht zur Ruhe kommen.
Samstag, 25.8.2018
Vom Schneeberg nach Pfelders
Das Ziel unserer heutigen Route ist Pfelders. Es hat in der Nacht viel geregnet, aber jetzt lockert der Himmel etwas auf und manchmal kommt die Sonne durch. Von der Schneeberghütte geht es sehr steil abwärts ins Tal. Dort führt ein leichtgängiger Weg sehr entspannt am Fluss entlang durch eine mächenhafte Landschaft mit kleinen Tannen, Moos und Unmengen von Blaubeeren. Die Entspannung hält nicht lange an, der Abstieg wird wieder steieler und führt uns an vereinzelten Höfen vorbei ins Passeier Tal. Hier überqueren wir die Straße, die von Rabenstein nach Moos führt. Rabenstein erreichen wir kletternd über steile Hänge zwischen Bilderbuchhöfen. Heide und Jutta kehren hier im Gasthof ein, Kerstin und ich laufen auf einem nun nur noch leicht abfallenden Weg neben der Passer nach Moos.
Es regnet mal stärker, mal schwächer. Gegen 15 Uhr erreichen wir Moos. Hier treffen wir wieder mit Heide und Jutta zusammen, die mit dem Bus aus Rabenstein gekommen sind. Unser Zielort Pfelders ist immer noch gute 4 Wanderstunden entfernt. Nach einem Cafébesuch in Moos nehmen wir alle zusammen den Bus nach Pfelders. Die Fahrt dorthin bestätigt uns, dass wir am heutigen Tag nichts verpasst haben. In Pfelders haben wir Unterkunft im Hotel Alpenblick, wo wir uns mit Sauna und Schwimmbad entspannen und das ausgezeichnete Essen genießen.
In der Nacht soll nun endlich der Schnee kommen. Die nächste Etappe führt über zwei Jochs, die wir bei Schnee nicht passieren können. Wir schmieden also Alternativpläne.
Sonntag, 26.8.2018
Über die Faltschnalalm zum Spronserjoch
Beim Aufwachen blicken wir direkt auf die schneebedeckten Gipfel. Die Schneedecke ist nicht geschlossen, aber zunächst sieht es so aus, als wäre die heutige Etappe zu riskant. Beim Auschecken aus dem Hotel sagt dann der Hotelier zu K. den entscheidenden Satz: “Ich würde gehen.”. Kerstin und ich ändern sofort den Plan und beschließen, die ursprünglich geplante Route über die Faltschnalalm, das Faltschnaljöchl und das Spronserjoch zu gehen. Heide und Jutta bleiben beim Plan B und nehmen den Bus nach Dorf Tirol. Von dort aus steigen sie von der Südseite zur Bockerhütte auf, wo wir für die kommende Nacht angemeldet sind.
Der Aufstieg zur Faltschnalalm führt auf einem mit Steinen gut befestigten Weg durch einen Märchenwald. Hier und da sickert ein Sonnenstrahl durch die Bäume und lässt den nassen Boden leuchten. Oben tauchen wir dann komplett in die Sonne ein. Die Aussicht auf die verschneiten Bergkuppen ist traumhaft schön und es wird ein herrlicher Tag. Durch das Faltschnaltal laufen wir auf dem Tiroler Höhenweg bis zum Faltschnaljöchl. Der Wind ist noch eisig, aber an einer geschützten Stelle können wir kurzämelig pausieren. Vom Faltschnaljöchl zum Spronserjoch führt die Wegmarkierung über eine karge Felsenwüste. Das Gestein glitzert silbrig und zusammen mit den restlichen Fetzen des Schnees schimmert die ganze Landschaft magisch unter dem strahlend blauen Himmel. Auf dem Spronserjoch halten wir uns eine Weile auf und genießen den berauschenden Anblick.
Bisher haben wir auf unserem Weg nur wenig andere Wanderer getroffen. Das ändert sich nun beim Abstieg in das Spronsertal. Die Spronser Seen sind ein beliebtes Ausflugsziel und die meisten Wanderer kommen über das Spronsertal hier rauf. Die Seen liegen dicht beieinander auf unterschiedlichen Höhen und sind teilweise von beeindruckenden Wasserfällen miteinander verbunden. Auf der Oberkaseralm machen wir eine längere Pause bei Apfelstrudel und Kaffee. Die Hütte ist sehr belebt, viele Gäste werden hier übernachten – wir werfen einen kurzen Blick in das Bettenlager.
Der Weg ins Tal ist sehr gut präpariert aber auch sehr steil. Er führt immer am reißenden Spronserbach entlang abwärts bis zur Bockerhütte, wo Heide und Jutta schon in der Sonne auf der Terrasse sitzen. Die Hütte ist klein und familiär. Außer der Familie mit zwei Kindern leben hier 4 Kühe, eine hübsche Haflingerstute, Hühner, ein Schwein, ein Kaninchen, eine Katze und wer weiß was noch – ich habe diesen Ort sofort ins Herz geschlossen. Abends ist es kalt und wir sitzen lange in der geheizten Stube. Später kommt noch ein Wanderer. Beim Frühstück erzählt er uns, dass er im Wandern unerfahren ist und sich sehr kurzfristig für die Tour auf dem Romediusweg entschieden hat. Und dass der Pilgerweg einen großen Umbruch in seinem Leben einleitet.
Montag, 27.8.2018
Von der Bockerhütte nach Meran
Frühstück gibt es um 7 Uhr. Vor der Tür steht ein großer Eimer frisch gemolkener Kuhmilch. Die Frau erzählt, dass sie daraus Butter, Käse und Jogurt machen. Von dem Jogurt essen wir eine Portion. Die Sonne scheint schon auf die oberen Berghänge und um 8:30 machen wir uns auf den Weg. Heute laufen wir in 3 verschiedene Richtungen: Heide möchte die Spronser Seen besuchen und startet den Aufstieg zum Spronserjoch. Jutta geht auf der Romediusroute am Fluss entlang Richtung Dorf Tirol.
Kerstin und ich verlassen die Hütte in Richtung Süden, wo wir noch ein paar Windungen weiter dem Tiroler Höhenweg folgen wollen. Zunächst steigen wir wieder einige 100 Meter auf in Richtung Mutspitz. Beim Aufstieg können wir am gegenüberliegenden Berghang Heide als kleinen, hellen Punkt ausmachen. Sie wird heute tatsächlich bis zum Spronserjoch aufsteigen, alle Seen besuchen und den gesamten Abstieg bis nach Dorf Tirol zurücklegen. Den Rucksack hat sie auf der Bockerhütte gelassen und wird ihn dort beim Abstieg wieder einsammeln.


Der Weg, den Kerstin und ich eingeschlagen haben, fällt vom Mutkopf an steil ab. Bald – am Muthof, wo wir eine herrliche Buttermilch trinken – können wir zum ersten Mal Meran in dem weiten Tal unter uns sehen. Das Tal ist noch endlos weit entfernt und uns wird beim Absteigen schnell klar, warum fast alle Wanderer, die wir bis hierher getroffen haben, über die Hälfte der Höhe mit der Seilbahn zurücklegen. Trotzdem beschließen wir, den Abstieg zu Fuß weiterzugehen, wohl auch, weil es unser letzter Wandertag ist und wir ihn nicht voreilig verkürzen wollen. Am Schluss sind unsere Füße, Knie und auch die Lust am Laufen komplett überstrapaziert. Der Weg ist durchgehend extrem steil und als wir endlich, nach 4,5 Stunden Abstieg, am Schloss Tirol ankommen, wollen wir keinen Schritt mehr gehen. Das Cafe am Schloss ist leider Montags geschlossen, also schleppen wir uns noch bis in den nächsten Biergarten im Dorf Tirol.
Nach Knödeln und Salat fahren wir von hier aus mit dem Bus bis Meran. Um kurz vor 15 Uhr landen wir im Hotel Aurora, direkt an der Promenade. Jutta war schon um 12 Uhr angekommen und hat sich in die Thermen direkt am Flussufer gegenüber zurückgezogen.
Meran strahlt in der Sonne vor dem überwältigenden Panorama der umgebenden Berge. Es ist warm, Menschen flanieren entspannt auf der Promenade, trinken Kaffee und essen Eis. Genau so verbringen auch wir den Nachmittag, nachdem wir uns wieder mit Jutta getroffen haben, unter hohen Bäumen vor der romantischen Wandelhalle. Anschließend schlendern wir durch die kleine, beschauliche Innenstadt. Heide kommt am Abend gegen 7 mit dem Bus aus Dorf Tirol und wir verbringen unseren letzten gemeinsamen Abend dieser Tour in einem Restaurant auf der Promenade.

Dienstag, 28.8.2018
Rückfahrt
Heute geht es zurück nach Berlin, jedenfalls für Kerstin, Jutta und mich. Heide bleibt noch ein paar Tage länger in Meran. Unser Zug fährt erst um 11:46 Uhr, wir haben noch Zeit für ein ausgiebiges Frühstück in unserem luxuriösen Hotel. Die Rückfahrt geht über Bozen, wo wir mit 2 Stunden Aufenthalt genug Zeit haben für einen Spaziergang durch die hübsche Stadt, bevor wir in den EC nach München steigen. In München kommen wir um kurz vor 19 Uhr an, um 23 Uhr sind wir wieder in Berlin.

























































































