Die Nacht ist stürmisch, mit über 100km/h fegt der Wind durch das Tal. Das weiß ich nicht nur aus der Wettervorhersage, ich kann es hören: Türen schlagen, Fenster scheppern, klappern, Bäume rauschen und immer wieder hier und da ein Ächzen, Fallen, Reißen.

In den letzten Tagen bin ich öfter gefragt worden, ob ich keine Angst habe, da draußen, allein in dem riesigen, alten Haus. Ja, manchmal. Nicht, solange ich mich beschäftige. Erst wenn ich im Bett liege und in die Dunkelheit starre, das Gehör am Anschlag. Dann malt die Fantasie unschöne Szenarien in die Nacht und manchmal verwechsle ich meinen eigenen Herzschlag mit einem fernen Klopfen. In den ersten Tagen mehr, inzwischen immer seltener. Die Geräusche werden bekannter, auch das Rumoren der Ratten in der Küche bringen ich nicht mehr aus der Ruhe. Aber wenn sie kommt, die Angst, dann gibt es zwei Möglichkeiten, die Zeit auszuhalten. Die erste: ich spiele Stein und hoffe, dass mich das Monster nicht sieht. Herzklopfen, Anspannung, Erschöpfung… und am Morgen ist alles vergessen. Die zweite (klingt gut, klappt aber nicht immer): ich stehe auf, gehe sehr langsam und vorsichtig durch das dunkle Haus, nach draußen, gewöhne die Augen an die Dunkelheit und stelle dabei fest, dass die Welt in der Nacht genau so schön ist, wie am Tag. Was sich dort bewegt, sind die Nachtaktiven und was dort ganz still ist, ist ein unfassbarer Sternenhimmel. Dann ist die Welt wieder in Ordnung und ich habs am Morgen nicht vergessen.
Nach oben gehe ich nur bei angeschaltetem Licht.
